


Überlebenskünstlerin bei Minusgraden: Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca)
Libellen im Winter? Warum nicht. Die Gemeine Winterlibelle überdauert – mit ihrer seltenen Schwester, der Sibirische Winterlibelle – als einzige einheimische Libellenart die kalte Jahreszeit als flugfähiges Tier. Während alle anderen Libellenarten als Ei oder Larve überwintern, nutzen Winterlibellen dank eines integrierten Frostschutzes eine andere Überlebensstrategie. Dabei überstehen sie sogar deutliche Minusgrade. Aufgrund ihres von allen übrigen Libellenarten abweichenden Lebenszyklus’ können die beiden Winterlibellenarten ganzjährig nachgewiesen werden.
Nun wurde die Gemeine Winterlibelle zur Libelle des Jahres gekürt. Sie gilt in Baden-Württemberg als ungefährdet, dennoch bekommt sie diesen Titel zugesprochen. Mit ihrer Wahl soll darauf hingewiesen werden, dass Libellen nicht nur an Gewässern vorkommen, sondern auch Landlebensräume nutzen, die es zu schützen gilt.
Die Gemeine Winterlibelle besiedelt ein breites Spektrum verschiedenster Gewässertypen mit ausgeprägter Ufervegetation. In der Natur ist diese Kleinlibelle leicht zu übersehen. Mit ihrem unauffälligen Kleid – graubraun, mit dunkler, bronzefarbener Rückenzeichnung – ist sie schwer in der Vegetation und am Gewässer zu entdecken. Männchen und Weibchen sehen sich zum Verwechseln ähnlich.
Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen den Frühling einläuten, erscheinen die ersten Tiere am Gewässer, meist schon Ende März / Anfang April. Dann sind Paarungsräder und Eiablagen zu beobachten. Nach etwa drei Monaten schlüpft dann die neue Generation, die dann bis in den November hinein fliegt, bis die Tiere in die Winterstarre fallen.
Die kalten Wintermonate verbringt die Gemeine Winterlibelle an geschützten Orten wie kleinen Lichtungen mit altem Gras oder ausgedehntem Röhricht an naturnahen Gewässern.
Also, Augen auf bei der nächsten Schneeballschlacht.
Schön und selten: die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum)
Viele halten sie für die schönste einheimische Libelle – obwohl die Konkurrenz groß ist: die Gebänderte Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum).
Beide Geschlechter tragen die namensgebenden dunkelbraunen Querbänder auf den Flügeln. Hinzu kommen farbige Flügelmale – beim Männchen leuchtend rot, beim Weibchen dezent cremeweiß. Charakteristisch ist ihr langsamer, flatternder Flug, der an einen Schmetterling erinnert. Nicht umsonst trägt sie den poetischen Beinamen: der Schmetterling unter den Libellen.
Leider ist es wenigen vergönnt, diese grazile Art des Hochsommers beobachten zu können. In Baden-Württemberg war die Gebänderte Heidelibelle nie weit verbreitet, und selbst in ihren besten Lebensräumen in der südlichen und mittleren Oberrheinebene nehmen ihre Bestände seit Jahren ab.
Doch die Art hat Überraschungspotenzial: Ab und zu tauchen Einzeltiere an abgelegenen Orten auf, oder sie zeigt sich nach Jahren wieder an Gewässern, wo sie jahrelang verschollen war. So geschehen im ungewöhnlich nassen Jahr 2024, als sie plötzlich in großer Zahl ein Naturschutzgebiet bei Ichenheim am Rhein besiedelte.
Ihre genauen Lebensraumansprüche bleiben auch für die Experten noch ziemlich mysteriös. Wechselnde Wasserstände dürften eine positive Rolle spielen und vermutlich besonders das zeitweise winterliche Trockenfallen ihrer Fortpflanzungsgewässer. Bei der Gebänderten Heidelibelle überwintern nämlich die Eier – sie sollen Trockenfallen und sogar Frost überstehen. Dies verschafft ihr einen Vorteil gegenüber konkurrierenden Arten – und schützt sie vor allem vor Fressfeinden.
Die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen e.V. (GdO) und der BUND haben für das Jahr 2024 die Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum) zur Libelle des Jahres gekürt.
Die in ganz Deutschland seltene Art wurde seit 1990 in Baden-Württemberg nur an 2 Stellen in Oberschwaben beobachtet. Seit 2003 ist die Population der Mond-Azurjungfer an einem dieser beiden Stellen erloschen und auch an der 2. Stelle hat die Häufigkeit abgenommen.
Die Mond-Azurjungfer (Coenagrion lunulatum) besiedelt meso- und eutrophe Stillgewässer, bei denen es sich häufig um Kleingewässer handelt. Bei einem der beiden Gewässer in Baden-Württemberg handelt es sich um eine ehemalige Lehmgrube, das andere Gewässer ist ein abgetorfter Moorsee.
Leider sind ihre ursprünglichen Lebensräume in den letzten Jahrzehnten zurück gegangen. Darüber hinaus leiden diese Habitate an Nährstoffeinträgen, die zum Beispiel aus der Luft oder der Landwirtschaft stammen können. Auch die Trockenheit in den letzten Jahren wirkte sich negativ aus.
Die Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen e.V. (GdO) und der BUND haben für das Jahr 2023 die Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris) zur Libelle des Jahres gekürt.
Sie müssen den Inhalt von reCAPTCHA laden, um das Formular abzuschicken. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten mit Drittanbietern ausgetauscht werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Instagram. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen